Pflege zuhause organisieren: Der praktische Überblick
Die meisten Pflegebedürftigen in Deutschland leben zu Hause. Damit das gelingt, braucht es einen klaren Plan: Wer hilft wobei, welche Leistungen kommen infrage, und wie bleibt die Organisation übersichtlich?

Laut Statistischem Bundesamt wurden Ende 2023 rund 86 Prozent der knapp 5,7 Millionen Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Die Organisation dahinter leisten häufig Angehörige – oft zusätzlich zu Beruf und Familie.
1. Bedarf erfassen#
Bevor Leistungen beantragt oder Dienste beauftragt werden, lohnt ein ehrlicher Blick auf den Alltag:
| Bereich | Leitfragen |
|---|---|
| Körperpflege | Welche Unterstützung wird gebraucht, welche nicht? |
| Mobilität | Wie sicher sind Wege in der Wohnung und draußen? |
| Ernährung | Wer kauft ein, wer kocht? |
| Haushalt | Was fällt schwer: Putzen, Wäsche, Müll? |
| Gesundheit | Termine, Rezepte, Medikationsplan |
| Soziales | Kontakte, Beschäftigung, Tagesstruktur |
| Verwaltung | Post, Anträge, Finanzen |
Notiere Beobachtungen mit Datum. Sie helfen bei der Pflegeberatung und der Begutachtung.

2. Antrag und Pflegeberatung#
Leistungen der Pflegeversicherung werden bei der Pflegekasse beantragt – laut Bundesministerium für Gesundheit auch telefonisch. Danach folgt eine Begutachtung. Parallel steht Versicherten eine kostenlose Pflegeberatung zu, auf Wunsch zu Hause. Die Schritte im Detail beschreibt der Artikel Wenn Eltern plötzlich mehr Hilfe brauchen.
3. Leistungsarten kennen#
Das Bundesministerium für Gesundheit gliedert die Leistungen der Pflegeversicherung unter anderem so:
| Leistungsart | Worum es geht |
|---|---|
| Häusliche Pflege | Unterstützung bei der Pflege zu Hause, z. B. durch ambulante Pflegedienste |
| Verhinderungspflege | Ersatz, wenn die private Pflegeperson vorübergehend ausfällt |
| Angebote zur Unterstützung im Alltag | Entlastung im Alltag, etwa durch anerkannte Angebote |
| Pflegehilfsmittel | Geräte und Sachmittel für die häusliche Pflege |
| Wohnungsanpassung | Zuschüsse für Umbauten |
| Digitale Pflegeanwendungen | Anwendungen, die den pflegerischen Alltag erleichtern |
| Kurzzeitpflege | vorübergehend vollstationäre Pflege |
| Tages- und Nachtpflege | zeitweise Betreuung in einer Einrichtung |
4. Pflegedienst auswählen#
Wenn ein ambulanter Dienst unterstützen soll, vergleiche mehrere Anbieter. Die Verbraucherzentrale empfiehlt unter anderem:
- klären, ob der Dienst alle nötigen Hilfen anbietet oder vermittelt,
- sich das Abrechnungsverfahren erklären und einen Kostenvoranschlag erstellen lassen,
- nachfragen, welche Leistungen Fachkräfte und welche Hilfskräfte übernehmen,
- eine feste Kontaktperson für Wünsche und Beschwerden benennen lassen,
- den Pflegevertrag schriftlich schließen, mit konkreten Leistungen, Zeiten und Preisen.

5. Wohnung und Hilfsmittel#
- Wohnungsanpassung: Laut Bundesministerium für Gesundheit kann die Pflegekasse für Pflegebedürftige der Pflegegrade 1 bis 5 auf Antrag Zuschüsse gewähren, etwa für Türverbreiterungen, Rampen oder einen Badumbau. Der Antrag ist vor der Umsetzung zu stellen.
- Pflegehilfsmittel: Geräte und Sachmittel für die häusliche Pflege – technische Hilfsmittel und solche zum Verbrauch – werden ebenfalls bei der Pflegekasse beantragt.
- Sicherheit im Alltag: Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nennt das Beseitigen von Stolperfallen eine einfache und wirkungsvolle Maßnahme. Mehr im Artikel Zuhause sicherer organisieren.
6. Aufgaben planen und verteilen#
Ein Wochenplan zeigt, wer wann was übernimmt – Familie, Dienste, Nachbarschaft. Vorlagen und Tipps: Wochenplan erstellen und Aufgaben unter Geschwistern verteilen.

7. Entlastung einplanen – von Anfang an#
- Pflegekurse: Laut Bundesministerium für Gesundheit bieten Pflegekassen kostenlose Schulungen für pflegende Angehörige an, auf Wunsch auch zu Hause.
- Vertretung: Wer springt ein, wenn du krank bist oder Urlaub brauchst?
- Eigene Grenzen: Plane feste freie Zeiten ein und sprich offen darüber.
8. Dokumentieren#
Halte fest, was erledigt wurde, was auffällt und was ansteht – besonders, wenn mehrere Personen helfen. Wie das geht, zeigt der Artikel Pflegeaufgaben dokumentieren und übergeben.
Pflege zuhause organisieren
Häufige Fragen
Welche Leistungen gibt es für die Pflege zuhause?
Das Bundesministerium für Gesundheit nennt unter anderem Leistungen für häusliche Pflege, Verhinderungspflege, Angebote zur Unterstützung im Alltag, Pflegehilfsmittel, Zuschüsse zur Wohnungsanpassung, digitale Pflegeanwendungen, Kurzzeitpflege sowie Tages- und Nachtpflege. Welche davon infrage kommen, klärt die Pflegeberatung.
Wie finde ich einen passenden Pflegedienst?
Vergleiche mehrere Dienste. Die Verbraucherzentrale empfiehlt unter anderem, sich das Abrechnungsverfahren erklären und einen Kostenvoranschlag erstellen zu lassen, nach Fachkräften und einer festen Kontaktperson zu fragen und einen schriftlichen Pflegevertrag zu schließen.
Muss ein Umbau vorher beantragt werden?
Laut Bundesministerium für Gesundheit ist ein Zuschuss zur Wohnungsanpassung vor der Umsetzung bei der Pflegekasse zu beantragen.
Offizielle Quellen
- 5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023 – Statistisches Bundesamt (Destatis), Stand 18. Dezember 2024. Abgerufen am 17. September 2026.
- Leistungen der Pflegeversicherung im Überblick – Bundesministerium für Gesundheit, Stand 13. Februar 2026. Abgerufen am 17. September 2026.
- Antragsverfahren – Pflegeleistungen (Online-Ratgeber Pflege) – Bundesministerium für Gesundheit, Stand 13. März 2026. Abgerufen am 17. September 2026.
- Pflegeberatung (Online-Ratgeber Pflege) – Bundesministerium für Gesundheit, Stand 14. September 2026. Abgerufen am 17. September 2026.
- Pflegekurse – Bundesministerium für Gesundheit, Stand 14. September 2026. Abgerufen am 17. September 2026.
- Pflegehilfsmittel – Bundesministerium für Gesundheit, Stand 14. September 2026. Abgerufen am 16. September 2026.
- Zuschüsse zur Wohnungsanpassung – Bundesministerium für Gesundheit, Stand 14. September 2026. Abgerufen am 16. September 2026.
- Ambulanter Pflegedienst: Checkliste für die Auswahl – Verbraucherzentrale, Stand 15. April 2025. Abgerufen am 16. September 2026.
- Was ältere Menschen tun können, um Stürzen vorzubeugen – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – gesundheitsinformation.de, Stand 23. März 2022. Abgerufen am 16. September 2026.
- Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) – Referentenentwurf – Bundesministerium für Gesundheit, Stand 5. Juni 2026. Abgerufen am 17. September 2026.
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